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Lehmgrube bei Ettwiesen

++ Freitag, 15. Juli 2005, Allgäuer Zeitung ++

Auffüllen der Lehmgrube dauert 25 Jahre

Konzept eines Umweltbüros stößt im Bauausschuss überwiegend auf Zustimmung – auch leicht belasteter Bauschutt soll rein

Marktoberdorf(rel).

Wo heute die Lehmgrube der früheren Ziegelei Schmid ruht, sollen irgendwann mal Kühe grasen, geschützte Pflanzen wachsen und seltene Tiere leben. So sieht vereinfacht beschrieben - die Zukunft der Grube bei Ettwiesen aus, in der seit 1948 bis vor einigen Jahren Lehm abgebaut wurde. Bis aber die rund 52000 Quadratmeter große Fläche wieder rekultiviert ist, wird es schätzungsweise 25 Jahre dauern. Das dafür erstellte Konzept stieß im Bauausschuss überwiegend auf Zustimmung. Die Grube soll kontrolliert - mit Erdaushub sowie un- und leicht belasteten Baumaterialien aus dem gesamten Allgäu aufgefüllt werden. 

Wasserwirtschaftsamt, Naturschutzbehörde und Landratsamt hatten das Konzept bereits unter die Lupe genommen, das dem Bauausschuss zur Begutachtung vorlag und von der Firma SGWM Umwelt GmbH (Scheiklingen) in Zusammenarbeit mit anderen Ingenieursbüros erstellt worden war. Die von den Behörden vorgebrachten Vorschläge und Auflagen seien bereits eingearbeitet worden, erläuterte Stadtbaumeister Herbert Sauer.

Der Rekultivierungsplan sieht vor, dass 43 Prozent der Gesamtfläche Biotoplandschaft mit Trocken- und Nassbereichen wird. Dort sollen für solche Gebiete typische Pflanzen wachsen und Tiere leben. Weitere 27000 Quadratmeter Fläche sollen landwirtschaftlich genutzt werden. Das in der Grube anfallende Wasser, das derzeit in den Ettwieser Bach gepumpt wird, werde später in zwei Becken gesammelt, dort untersucht und dann in Richtung Bach transportiert, sagte Sauer.

Doch bis auf der Grube wieder Kühe grasen können, müssen 410000 Kubikmeter „grubenfremdes Material“ in Richtung Ettwiesen geschafft werden. Dabei handle es sich aber nicht um Müll, betonte Sauer, sondern um Materialien, wie sie beim Hoch- und Tiefbau oder Abriss anfallen. Die Belastungsklasse reiche von Z 0 bis Z 2.

Was die „Obergrenze „Z2“ konkret bedeuten kann, umriss Anton Grehl, Experte bei der Firma SGWM für das Befüllen von Großgruben, im Gespräch mit unserer Zeitung: leicht verunreinigte Böden, Bauschutt mit Farbresten, Fliesen mit Kleberresten, Boden mit kleinen Teerteilen, Straßengräbenaushub oder Dreck, der beim Säubern von Straßenrändern anfällt. „Z2“-Material dürfe zum Beispiel für Lärmschutzwälle an Autobahnen verwendet werden. Um Umweltbelastungen durch Verkehr zu reduzieren, wolle man nur Abfall aus dem Allgäu nach Ettwiesen bringen, so Grehl,

 

Mehr Verkehr befürchtet 

Wie Stadtbaumeister Sauer in der Sitzung berichtete, liegt die Verkehrsbelastung bei 5 bis 25 Lastwagen pro Tag, und dies rund 25 Jahre lang. Das sei ähnlich viel wie zu jenen Zeiten, als die Lehmgrube noch in Betrieb war. Damit die Straßen sauber bleiben, soll eine Reinigungsschleuse eingerichtet werden. Die Gefahr, dass Schadstoffe nach unten abfließen, sehen weder Sauer noch Grehl: Bohrungen haben ergeben, dass die Lehmschicht unter der Grube noch mindestens 25 Meter dick ist. Zudem würden die Materialanlieferungen kontrolliert und erfasst, sagte Grehl.

„Das Konzept gefällt mir sehr gut, auch der Naturschutz ist gut vertreten“, kommentierte Axel Maaß (Grüne) das Vorhaben. Allerdings habe man ursprünglich maximal „Z 1“-belastetes Material einbauen wollen. Ferner vermisste Maaß „geologische Aufschlussstellen“, um zum Beispiel Schülern die Erdgeschichte erläutern zu können: Wolfgang Schmid (FW) störte ebenfalls, dass nun auch „Z2“-Material zugelassen sein soll. Auch machten ihm der Lastwagenverkehr und das Wasser aus der Grube Sorgen. Auch Dr. Hermann Seiderer befürchtete mehr Lkw-Verkehr: eine Gefahr für Radfahrer“. Dem hielt Sauer entgegen, laut Gutachten seien künftig nicht mehr Lkw unterwegs als früher. Auch falle in der Grube nicht mehr Wasser an als heute.

Bei zwei Gegenstimmen (Rößle/Schmid) signalisierte der Ausschuss sein Einverständnis. Eine Verweigerung des Vorhabens durch den Ausschuss wäre, so Sauer, ohnehin nicht möglich gewesen, da das Landratsamt Genehmigungsbehörde sei. Eine Blockade hätte möglicherweise zu Schadenersatzforderungen führen können, klärte er auf.

  

Quelle: Allgäuer Zeitung