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Lehmgrube bei Ettwiesen

++ Freitag, 22. Juli 2005, Allgäuer Zeitung ++

 

Deponie für Abfälle und keine Auffüllung

Zum Artikel „Auffüllen der Lehmgrube dauert 25 Jahre“ vom 15. Juli:

Offensichtlich haben einige Stadtratskollegen und die Verwaltung eine Abkehr von der bisherigen Meinung vollzogen. Sogar von grüner Seite wird es kommentiert: „Das Konzept gefällt mir sehr gut, auch der Naturschutz ist gut vertreten“. Doch wo bleiben Gewässer-, Immissions- und Menschenschutz? Eine Vertagung war unerwünscht.

In einer Sitzung am 3. 11. 2003 habe ich erläutert, wie das Vorhaben vertretbar wäre. Die Bedingungen wurden damals beschlossen und jetzt wieder völlig verworfen.

Meine 10 Thesen:

1. Es muss von „Deponie“ statt von „Auffüllung“ gesprochen werden sowie von „Abfällen“ statt von „grubenfremdem Material“.

2. Das Vorhaben widerspricht möglicherweise dem Kreislaufwirtschaftsgesetz und den einschlägigen Eckpunktepapieren des Umweltministeriums.

3. Für Bauschutt und Straßenkehricht bestehen wirksame Anlagen zur Schadstoffentfrachtung und zur Aufbereitung zu Baustoffen. Im Falle einer Deponierung in Ettwiesen könnten diese Anlagen wohl verschrottet und nach Russland verkauft werden, während hier „Dumpcycling“ betrieben wird.

4. Politischer Wille und die Gesetzeslage schreiben vor, dass unbehandelter Restmüll seit 1. 6. nicht mehr deponiert werden darf. Dass überwiegend mineralischer Abfall eventuell unbehandelt deponiert werden soll, steht im grundsätzlichen Widerspruch dazu.

5. In Deponien wie beantragt wurde bisher üblicherweise als Ausbaustufe die Ablagerung von Filterstäuben, Aschen und Müllverbrennungsschlacken angestrebt.

6. Die Einleitung des belasteten Tagwassers erfolgt in den Ettwieser Bach, der durchs Gewend fließt. Nach einer Realisierung des Vorhabens muss die Ableitung des Tagwassers nach Behandlung in das Kanalnetz erfolgen.

7. Das Naherholungsgebiet Ettwieser Weiher wird durch massiven LKW-Verkehr und unvermeidbare Staubentwicklung seine Attraktivität verlieren.

8. Die bauplanungsrechtliche Hoheit hätte der Bauausschuss bzw. Stadtrat gehabt.

9. Billig-Deponierung siegt offenbar gegen die geordnete Aufbereitung dieser Abfälle

10. Das Gefährdungspotential ist meiner Meinung nach erheblich.

Fazit: Die Tragweite dieses Beschlusses wurde nicht erkannt, wird aber die nächsten Jahrzehnte zu spüren sein.

 

Dipl.-Ing. (FH) Manfred Eigler

 Marktoberdorf

 

  

Quelle: Allgäuer Zeitung