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Lehmgrube bei Ettwiesen

++ Samstag, 30. Juli 2005, Allgäuer Zeitung ++

STANDPUNKT

 

klares Bekenntnis: Wir wollen keine Deponie

Von Reinhold Löchle

Der Marktoberdorfer Stadtrat hat die Notbremse gezogen und hoffentlich kommt der befürchtete „Müll-Zug“ auch zum Stehen. Mit dem einstimmigen Nein des Gremiums kommt jetzt auf das Landratsamt Ostallgäu die Rolle des „Prellbocks“ zu: Dieses soll, so dürften die meisten Marktoberdorferinnen und Marktoberdorfer hoffen, dem Konzept zum Auffüllen der ehemaligen Lehmgrube bei Ettwiesen die Genehmigung verweigern. Ob es jedoch tatsächlich so läuft, wird sich zeigen. jedenfalls wird - und hier dürfen wir uns nach dem Aufschrei in den vergangenen Tagen sicher sein - das Landratsamt sehr genau prüfen, was machbar ist und was nicht.

Und wenn das Landratsamt für das Vorhaben grünes Licht geben muss? Ohne die Verträge mit der Firma, die mit dem Auffüll-Konzept beauftragt ist, zu kennen, gehen wir davon aus, dass dann immer noch Lehmgruben-Besitzer Franz Schmid zumindest einen Teil-Rückzug anordnen könnte. Sicher ist: Die nächsten Wochen werden noch spannend.

Spannend war auch die Stadtratssitzung In dieser Woche, als auf Antrag von Gerhard Küster (Grüne) außerplanmäßig das Thema Lehmgrube auf die Tagesordnung gehievt wurde. Die Frage war: Werden die Räte den zwei Wochen zuvor vom Bauausschuss gefassten Lehmgruben-Beschluss kippen? Wie werden sich jene Räte verhalten, die auch Mitglied des Bauausschusses sind?

 Kompliment! Nach kurzer Debatte und deutlichen Worten von Gerhard Küster, Umweltreferent Manfred Eigler und anderen hob das Gremium den Beschluss auf und sagte Nein zu dem Vorhaben. Von „Umfallern“ kann keine Rede sein. Vielmehr zeigten Rathausspitze, Stadträtinnen und -räte Rückgrat.

Dass dabei das Bauamt sich - berechtigte - Vorwürfe anhören musste, es habe den Punkt zu kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt, zu sehr Druck gemacht und das Vorhaben zu positiv dargestellt, war zu erwarten. Andererseits: Der Ausschuss hatte es damals in der Hand, eine Entscheidung zu vertagen oder gar gleich Nein zu sagen. Er tat es aber nicht, weil er aufgrund der umfassenden Informationen den Eindruck gewinnen konnte, dem Projekt ohne Bauchschmerzen zustimmen zu können. Die traten dann wenige Tage später auf, als nähere Informationen über die Art des „grubenfremden Materials“ die Runde machten und sich mancher erst vergegenwärtigte, was da bei Ettwiesen entstehen soll.

Aus der Situation hat vermutlich jeder gelernt. Verwaltung und Räte sollten ihr Augenmerk jetzt darauf legen, wie der Bauantrag im Landratsamt beurteilt wird. Die vergangenen Tage machten jedenfalls deutlich: Die Marktoberdorfer wollen nicht bei einem Erholungsgebiet eine Art Bauschuttdeponie, die mit belastetem Material gefüllt werden darf und voraussichtlich über Jahrzehnte Abfalltransporter aus der ganzen Region anzieht.

Quelle: Allgäuer Zeitung