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Lehmgrube bei Ettwiesen

Antrag an den Bürgermeister von Marktoberdorf 

Kreisgruppe

Kreisgruppe Ostallgäu-Kaufbeuren

Schmiedgasse 24

87600 Kaufbeuren

Telefon 0 83 41/1 22 50

Telefax 0 83 41/7 48 45

 

 

  

 

An den Bürgermeister

und an die Stadträte

der Stadt Marktoberdorf

87616 Marktoberdorf

 

 

 

 

Landesverband Bayern

des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland e.V.

                                                                                                          Marktoberdorf, den 3.8.2005

 

Antrag: Kauf der Lehmgrube bei Ettwiesen durch die Stadt Marktoberdorf, jetziger Besitzer, Franz Schmid

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Werner Himmer,

 

der Bund Naturschutz stellt den Antrag, die Stadt Marktoberdorf möge mit dem Besitzer der Lehmgrube bei Ettwiesen in Verhandlungen eintreten, ihm die Lehmgrube bei Ettwiesen, abzukaufen.

 

Am 7.11.2003 war nach einem Gespräch von Herrn Vitalis Held mit Franz Schmid, dem früheren Ziegelei-Besitzer und Alt-Bürgermeister, folgendes in der Allgäuer Zeitung zu lesen: „Nachdem in Marktoberdorf keine Ziegel mehr hergestellt werden, verursacht die Grube ihrem Besitzer hauptsächlich nur noch Kosten: Eine leistungsstarke Pumpe muss permanent das Oberflächenwasser abpumpen, damit das Lehmbecken nicht voll läuft.“

Am 23.7.2005 wurden weitere berechtigte und ernst zu nehmende Sorgen im „Standpunkt“ von Herrn Reinhold Löchle in der AZ genannt:

„Er (gemeint ist Franz Schmid) will wieder in Ordnung bringen, was in Ordnung gebracht werden muss. …….Er sieht sich gegenüber der Natur und den Bürgern in der Pflicht. Zudem befürchtet er Unfälle durch die offene Grube.“

Der Bund Naturschutz nimmt diese Bedenken unseres verdienten Alt-Bürgermeisters sehr ernst.

Der Bund Naturschutz möchte folgende Punkte anregen, falls ein Ankauf durch die Stadt angestrebt würde: 

1. Die Stadt hat sicher die Möglichkeit, herauszufinden, welcher Kaufpreis für diese Fläche angemessen wäre. Herr Franz Schmid könnte der Stadt als Förderer der Kultur und als verantwortungsbewusster Besitzer (Verpflichtung gegenüber der Natur und den Bürgern) eventuell sogar einen günstigen Preis machen. Außerdem wäre der jetzige Besitzer von den ständigen Kosten (leistungsstarke Pumpe) und von den Sorgen um die Lehmgrube befreit.

 2. Besonders die Gefahrenstellen müssen beseitigt oder durch wirksame Lösungen entschärft werden, damit die befürchteten Unfälle vermieden werden können. Deswegen wäre es wichtig, auf das Wissen unseres Alt-Bürgermeisters um die Gefahrenstellen zurückgreifen zu können.

 3. Um auch die Stadt von Folgekosten zu befreien, wäre in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Wasserwirtschaftsamt zu überlegen, ob auf das Abpumpen verzichtet werden kann. Dazu könnten Informationen beim Landkreis Günzburg eingeholt werden. (siehe Anlage 1). Das Wasserwirtschaftsamt gab telefonisch die Auskunft, dass diese Lösung technisch möglich wäre.

 4. Besonders würde sich der BN freuen, wenn neben dem Wasserwirtschaftsamt der Landschaftspflegeverband und die Untere Naturschutzbehörde in die Planungsarbeiten eingebunden werden könnten. Die Stadt Markt-obedorf ist ja wie der Bund Naturschutz Mitglied im Landschaftspflegeverband und Landrat Fleschhut ist Vorsitzender. Mit Herrn Josef Freuding vom Landschaftspflegeverband hatte der BN bereits in Ingenried und bei vielen Pflegemaßnahmen hervorragend zusammengearbeitet.

 5. Der Bund Naturschutz bittet die Stadt, sich mit dem Bayerischen Geologischen Landesamt in Verbindung zu setzen, ob die Lehmgrube in den Umweltobjektkatalog (UOK) Bayern der Klasse GEOTOPE aufgenommen werden könnte. Dr. Glaser war Bearbeiter der ehemaligen Lehmgrube Rosshaupten im Landkreis Günzburg, Gemeinde Roefingen, durch dieses Amt könnte auch der geowissenschaftliche Wert beurteilt werden (siehe Anlage 2).

 6. Der Bund Naturschutz bittet zu prüfen, ob Gelder aus der Erbschaft Emmi Fendt für den Ankauf, für die Planungsarbeiten oder für die Pflegearbeiten verwendet werden können.

 7. Sicher wären kompetente Mitglieder des Bund Naturschutz vor Ort oder der Bund Naturschutz Landesverband gerne bereit, ihr Wissen und ihre Erfahrung in die Planungsarbeiten einzubringen.

 8. Der Bund Naturschutz (Kreisgruppe Ostallgäu) wäre ebenfalls bereit, sich in gewissem Rahmen finanziell (mit rund 5000 Euro) an den Pflege- oder Gestaltungskosten zu beteiligen.

 9. Falls Pflanzaktionen durchgeführt werden, ist zu überlegen, nur kleine Bäumchen einzupflanzen, um die Kosten gering zu halten (Herr Husel könnte sicher als erfahrener Förster wertvolle Tipps geben).

 10. Herr Husel, Herr Freuding oder Herr Strohwasser haben auch Erfahrungen, wie Kinder und Jugendliche in Arbeiten (Entbuschung, Pflanzaktionen) eingebunden werden könnten. Eine Zusammenarbeit mit allen Schulen wäre denkbar. Allerdings wäre eine sehr behutsame Veränderung anzustreben, da sich schon heute „geschützte Pflanzen“ und „seltene Tiere“ eingestellt haben und sich weiter dem Zustand entsprechend ansiedeln werden (siehe Leserbrief von Johann Bauer vom 21. Juli 2005 in der Allgäuer Zeitung).

 11. Einige Marktoberdorfer Bürger sagten in Gesprächen, wie können wir mithelfen, was können wir tun, um die Verfüllung zu verhindern. Sicherlich wären Mitglieder des BN, Mitglieder anderer Vereine genauso wie nicht an Vereine gebundene Marktoberdorfer und vielleicht auch die benachbarten Landwirte bereit, mitzuhelfen, wenn der Landschaftspflegeverband, die Stadt oder evt. eine Agenda-Gruppe die Koordination der Pflegemaßnahmen übernehmen könnte.

 12. Vielleicht wäre es auch möglich, die Lehmgrube als Ausgleichsfläche einbringen zu können. Herr Freuding oder Herr Strohwasser könnten sicher genauere Informationen geben. Auch wäre mit Herrn Freuding oder mit Herrn Strohwasser abzuklären, ob Zuschüsse durch den Naturschutzfonds oder bei der Regierung von Schwaben beantragt werden könnten.

 13. Auch an einen Naturlehrpfad, der geschichtliche, botanische und geologische Inhalte berücksichtigt, wäre zu denken.

 15. Wenn diese Maßnahme gelingen würde, stellen wir schon heute den Antrag, die Stadt oder der Landkreis möge Herrn Franz Schmid in irgendeiner Form ehren.

 16. Auch die Kreisgruppe würde sich beim Landesverband um eine Ehrung mit der Silbernen Ehrennadel des BN einsetzen.

 Es würde den Bund Naturschutz sehr freuen, wenn es der Stadt und dem Alt-Bürgermeister Franz Schmid gelingen könnte, zu einer Einigung zu kommen. So könnte Ökonomie und Ökologie gleichermaßen zu ihrem Recht kommen. Niemand kann diese Aufgabe besser erfüllen als ein wirtschaftlich erfolgreicher Unternehmer, der sich der Verantwortung gegenüber den Menschen und der Umwelt bewusst ist und danach handelt. Marktoberdorf hat zwar einige wunderschöne und bedeutsame Landschaftsbestandteile. Aber mit dem Erhalt der ehemaligen Lehmgrube würde sich die Chance eröffnen, bei Marktoberdorf eine große, zusammenhängende Fläche zu bekommen, die für Natur und Menschen viele Vorteile bieten könnte. So könnte am Ortsrand Marktoberdorfs eine kleine Attraktion entstehen, vielleicht sogar einmal ein Naturschutzgebiet. (siehe Anlage 3)

 Falls die Gespräche zu keinem Erfolg führen sollten, bittet der BN den Stadtrat zu prüfen, ob für die Lehmgrube (Fl. Nr. 373/0) ein Bebauungsplan im Außenbereich mit Veränderungssperre¹ beschlossen werden kann.

¹ (Veränderungssperre : Wenn eine Gemeinde eine Veränderungssperre für das Plangebiet beschließt, ist die Zulassung eines Vorhabens dann für die Bauaufsichtsbehörde nur möglich, wenn die Gemeinde ihr Einvernehmen zur Gewährung einer Ausnahme von der Veränderungssperre erteilt.) (siehe Anlage 4)