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Lehmgrube bei Ettwiesen

++ Mittwoch, 3. August 2005, Allgäuer Zeitung ++

 

Bund Naturschutz: Stadt möge Lehmgrube kaufen

Verfüllung abgelehnt - Vorhaben fragwürdig

 

Marktoberdorf (nos)

Bei seiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich der Bund Naturschutz (BN) Marktoberdorf auch mit der Verfüllung der Lehmgrube bei Ettwiesen. Weil das ganze Vorhaben sehr fragwürdig erscheine und der BN keine Einsicht in das Konzept der mit der Maßnahme betrauten Firma nehmen konnte, forderte die Gruppe, auf die Verfüllung zu verzichten. Zusätzlich soll ein Antrag mit dem Ziel an die Stadt gestellt werden, mit dem jetzigen Besitzer in Kontakt zu treten, damit die Stadt die Lehmgrube kauft. Nach Meinung des BN kann nur so eine Gefährdung der Anlieger, des Bodens, der Luft und des Wassers auf Dauer verhindert werden.

 

Nach Auskunft des Landratsamtes kann der BN nicht als Träger öffentlicher Belange gehört werden, weil der Antrag unter das Baurecht falle. Nach Meinung des BN ist aber zu fragen, ob der Antrag der Firma SGWM Umwelt GmbH nicht abfallrechtlich zu behandeln ist. Bei der Prüfung durch die Amter müssten aus Sicht des BN mehrere Punkte „unbedingt berücksichtigt“ werden.

Es müsste verhindert werden, dass Oberflächenwasser mit den eingebrachten Stoffen reagiert. Außerdem müsste sichergestellt werden, dass das Niederschlagswasser vom eingebauten Abfall weitestgehend ferngehalten wird. Das könnte man nur mit einer Versiegelung des Materials erreichen. Josef Kreuzer, der Vorsitzende der BN Kreisgruppe fragte:

„Wer wird das über 25 Jahren kontrollieren?“ Es sei nötig einen Chemiker zuzuziehen, um das Gefahrenpotential deutlich zu machen. Auch die aktuellen Entwicklungen im Deponiebereich müssten berücksichtigt werden. Es ist wichtig, einen Fachmann für Deponierecht zu beteiligen. Er könnte auch sagen,

welcher Abstand zur Wohnbebauung eingehalten werden muss und über die Anforderungen an die Ablagerung von mineralischen Abfällen informieren.

Wer kontrolliert nach der Verfüllung mit dem belasteten Material das abfließende Oberflächenwasser und das Grundwasser, war eine weitere Frage. Die Überwachung dürfe nur durch einen zertifizierten Betreiber einer Deponie erfolgen, der bei Überschreitung einer der festgelegten Auslöseschwellen die zuständige Behörde und das Wasserwirtschaftsamt zu informieren habe. Und: Was wäre bei einer Firma, die Messergebnisse nicht korrekt weitergebe?

Zu Beginn der Sitzung hatte Barbara Zach über die Europäische Wasserrahmenrichtlinie referiert. Der BN begrüße die Ziele und Aufgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie als eine große Chance, die Gewässer und Feuchtgebiete in ihrer ökologischen Qualität zu erhalten und zu verbessern.

Der ganzheitliche ökologische Ansatz der Wasserrahmenrichtlinie entspreche der Gewässerpolitik des Bundes Naturschutz. Er vertrete das Verschlechterungsverbot und das Verbesserungsgebot. Barbara Zach erklärte, dass eine erste Bestandsaufnahme der Oberflächengewässer und des Grundwassers von den Wasserwirtschaftsämtern vorgelegt wurde. Auf der Homepage

 www.wasserrahmenrichtlinie.bayern.de

könne man sehen, wie zum Beispiel die Wertach nördlich von Marktoberdorf eingestuft wurde, nämlich als erheblich verändertes Gewässer.

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Mehr über die Ortsgruppe ist im Internet unter www.bn-marktoberdorf.de

zu erfahren. Dort werden auch die Aktionen geschildert.

 Quelle Allgäuer Zeitung